Die Schäre lebt! – manchmal auch nachts

 

Davon träumt man im winterlichen Schilksee, wenn man an den nächsten Urlaubtörn denkt: Einlaufen in eine schöne Schäre bei leichtem Wind und viel Sonne. Festmachen, Einlaufbier, Vorbereiten des Grills, Grillen auf der Schäre, Klönschnack mit anderen Seglern bis zum roten Sonnenuntergang. Anschließend sitzt man noch mit der Familie und Freunden im Cockpit bei einem Glas und genießt die ruhige Natur um einen herum. Dann folgt die sternenklare lauschige Nacht und am nächsten Morgen ein gemütliches Frühstück bei dem  sich die Seevögel beobachten lassen. Soweit der Tagtraum eines Seglers im winterlichen Schilksee.

 

Nun zur durchaus reizvollen Realität vom 28.7.2001:

Auf dem Weg von Göteborg nach Norden (Ziel Mollösund oder so) fassen wir spontan den Entschluss nach Ussholmen einzulaufen. Diese hübsche Schäre liegt rund fünf Meilen südlich von Marstrand. Skipper:“ Da wollte ich schon immer mal hin.“ Also Segel legen und dann einlaufen. Das geschieht mit angemessener Vorsicht, wie es sich in einem unbekannten Seegebiet gehört. Nachdem wir mit einem Heckanker festgemacht haben und, da der Anker nicht gut hielt, wir noch einen zweiten ausgebracht hatten, folgten Einlaufbier und dann das Grillen auf der Schäre. Die Sonne schien und es wehte ein leichter bis mäßiger Wind gemäß  Vorhersage. Den Abschluss bildete ein malerischer Sonnenuntergang. Danach ging es unter Deck zum wohlverdienten Schlaf.

 

Nachts um zwei Uhr wird der Skipper durch lautes Heulen des Windes wach. Die Anzeige meldet mehr als 10m/sec Wind, rückgedreht um 50 Grad hatte er auch noch. Draußen wurde schnell klar, dass einer der Heckanker sich etwas  gelöst hatte. Also wurde die Leine durchgesetzt, außerdem hatten wir ja zwei Anker ausgebracht und der zweite war fest. Nebenbei bemerkte der Skipper noch, dass sich auf der Schäre mehrere Gestalten laut unterhielten (auf schwedisch). Worüber hat man sich  um diese Zeit zu unterhalten?! Dann wieder in die noch warme Koje und die Augen geschlossen.

Um 4 Uhr ein lautes klirrendes Geräusch. Es klang wie das Zusammenspiel von Metall und Felsen. Schnell an Deck. Der Wind hatte weiter zugenommen. Es herrschte Dünung. Sie stand aufgrund der Richtungsänderung des Windes in die Bucht hinein. In einem Wellental sind wir auf den Stein gebrummt. Nacheinander krabbelte die gesamte Mannschaft an Deck um das Schiff etwas zu verholen. Es wurden neue Vorleinen gelegt und auch ein Heckanker mit Hilfe des Schlauchbootes erneut ausgebracht. Unsere Aktivitäten weckten unsere Nachbarn, die ihrerseits die Leinen veränderten und verstärkten. Als wir schließlich wieder unter Deck verschwinden wollten, bemerkten wir erst, wie an mehreren Stellen auf der Schäre neue Haken in den Fels getrieben wurden. Das erneute Einschlafen verzögerte sich, überall klapperte und klirrte es.

Im Einschlafen, oder war es schon wieder ein Wachwerden, hörte man den einen oder anderen Diesel tuckern. Was sollte das denn, so früh. Jetzt wird erst einmal geschlafen.

 

Am nächsten Morgen (7 Uhr) hielt es dann den Skipper doch nicht mehr in der Koje. Nun wurde das ganze Ausmaß des nächtlichen Betriebes deutlich. Schon sehr früh waren mehrere Boote ausgelaufen. Einige andere hatten nachts die Seite in der Bucht gewechselt, sie hatten plötzlich den Wind von achtern und der Heckanker hatte nicht mehr gehalten.

 

Auch das Frühstück verlief erheblich zügiger als üblich. Beim hastigen Ablegen bestand bei der gesamten Mannschaft der Wunsch, als nächstes in einen Hafen einzulaufen, um eine ruhige und lange Nacht zu erleben. Daraus wurde leider auch nichts, schließlich war der nächste Hafen Marstrand und da stand unser inoffizielles Clubtreffen auf dem Programm.

Merke: Es liegt nicht an der Schäre, wenn sich die Nachtruhe nicht einstellen will.

 

Reinhard Buhse