2006:Die letzte Fahrt der Blue Jay oder die erste der zukünftigen SY Eule

 

oder

Wie alles begann:


Na langen Monaten der Bootsbesichtigungen und großen Enttäuschungen fanden wir schließlich die Blue Jay, eine Dehler 39 in Holland. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden. Am 28.9.06 war es dann soweit. Die Wetterberichte sagten für die folgenden Tage einmal kein Unwetter für die Nordsee voraus. Also gute Bedingungen die Unternehmung Hellevutsluis-Kiel in Angriff zu nehmen. Also reiste ich, Fabian, am Donnerstagabend nach der Arbeit mit dicken Thermoklamotten im Gepäck nach Holland, wo ich dann von den sehr hilfsbereiten Vorbesitzern abgeholt und zum Schiff gebracht wurde. Das Schiff wurde von ihnen bereits am Tag perfekt für die Segeltour mit allem, was man benötigen könnte, ausgestattet. Dort übernachtete ich mit einem der beiden Söhnen des Skippers und einem Freund von diesem auf dem Schiff. Gegen 5 Uhr sollte die Tide günstig sein und wir wollten Richtung Iimuiden. Nach einigen Einweisungen und Planungen für den nächsten Tag ging es dann in die Koje. Pünktlich 20 vor 5 wachten wir auf, machten uns schnell fertig und unter Motor ging es zügig aus dem Fischereihafen. Vor der Mole setzten wir das Groß und rollten die Fock aus, da es bereits genug Wind zum zügigen Segeln durch den Tonnenstrich gab. Wir begegneten einigen Fischern auf den ersten 5 Meilen, die uns im Tonnenstrich meist nicht langsam entgegenkamen. Einer brachte das Kunststück fertig uns mit einer Welle zu erwischen, die unser gesamtes Schiff einschließlich Cockpit völlig durchnässte, leider uns auch, trotz Regenklamotten eine kalte Dusche am Morgen bescherte. Außerhalb vom Tonnenstrich ging es dann auf Nordkurs Richtung Verkehrstrennungsgebiet Rotterdam. Für diesen Kurs ging binnen Minuten der Spi das erste Mal auf diesem Schiff für mich hoch. Sofort fuhren wir konstant über 7 Knoten. Ich begann mich langsam mit dem Steuerrad, dem unheimlichen neuen Lenkinstrument vertraut zu machen. Gar nicht so leicht, wenn das Schiff anfängt bei 9 Knoten auf den Wellen zu surfen. Aber es begann Spaß zu machen. Durch die Tide, die mit uns ging, war die Geschwindigkeit über Grund um die 11 Knoten. Immer wieder gab es nun kulinarische Höhepunkte. Dass so viel zu essen an Bord ist, hatte ich gar nicht gemerkt. Durch das ständige Essen ging die Zeit auch schnell rum. Das gute Wetter und die Bootsgeschwindigkeit taten ihr übriges. Nach einigen Stunden gegen 12 Uhr hatten wir unser eigentliches Ziel Iimuiden querab. Aufgrund der Geschwindigkeiten und des trockenen Wetters inclusive Sonne, entschieden wir uns umzuplanen und nach Den Helder zu segeln. Trotz der Aussicht auf Strom gegenan in den letzten Stunden, hofften wir auf eine rechtzeitige Ankunfts. Und wir sollten Recht behalten. Auf dem ersten Stück jedoch gerieten wir in ein neues, in unseren Karten nicht verzeichnetes Windanlagen-Feld, welches wir umfahren mussten. Die Shifte, die dafür nötig war, misslang leider gründlich, so dass wir den Spi schließlich vom Vorstag wickeln und für eine Stunde bergen und klarieren mussten. Nach dem Windkraftwerksfeld ging er dann trotz bis zu 23 Knoten Wind wieder nach oben. Wir wollten schließlich früher da sein und den Strom noch nutzen. Bis Den Helder lief dann alles perfekt, kein Regen, alles schön warm und ein besonders Erlebnis. Es wurde ein blaues Segelboot vermisst, wie wir über UKW erfuhren. Ein Helikopter flog fast 5 Minuten nur wenige Meter neben und über uns, um uns zu identifizieren und dann weiterzufliegen. Gegen 18 Uhr liefen wir im Hafen ein, der eine kleine Einfahrt hatte, und wir nicht sicher waren, ob wir durchpassen würden. Aber alles ging glatt und nach den in Holland aufwendigen Anmeldeformalitäten gingen wir in die Stadt was Richtiges essen. Lecker! Einmal “Mongos”, all inclusive, trinken und essen (all you can eat) für 17 Euro. Ein Superessen! Dann ging es wieder aufs Schiff zum Schlafen. Am nächsten Morgen sollte eine Crew-Tauschaktion stattfinden und es dann nonstop bis nach Cuxhaven durchgehen.
Am Morgen um 5 Uhr hatten wir das Frühstück bereits vorbereitet, als Herr van den Enden (der Vorbesitzer) mit einem Freund und seinem zweiten Sohn erschien. So wurde noch schnell gefrühstückt. Das erste Stück der Route hatten wir bereits vorher am Kartenplotter programmiert und so ging es um sechs dann los. Ablegen, aus der Einfahrt herausmanövrieren und dann mit viel Strom durch eine sehr schmale aber tiefe Rinne zwischen Sandbank und der Insel Texel ging es auf die recht wellige Nordsee. Der Wetterbericht sagte für die kommenden 48 Stunden West bis Südost an, zunächst West und dann immer weiter Südost drehend. Er sollte Recht behalten. Nach wenigen Meilen war es wieder möglich den Spi zu setzen. Dieses war nach dem Training vom Vortag und der nun fast doppelt so starken Crew kein Problem und klappte perfekt. Nun zog der blaue Vogel wieder mit durchschnittlich 9 Knoten durchs Wasser, zeitweise 2 Knoten Strom mit, zumindest die ersten Stunden. Da keine Action anstand, ging es wieder ans Essen. Immer ein Mann in der Kombüse am Brutzeln, Schneiden und Zubereiten und die anderen am Mampfen und den Steuermann versorgen, einfach himmlisch. Und wieder war das Wetter auf unserer Seite. Wir saßen schließlich, da wir nur schwere Sachen dabei hatten, in hochgekrempelten Thermoklamotten oder im T-Shirt da und sonnten uns. Inzwischen hatten wir wieder um die 15-20 Knoten Wind von schräg Achtern und wir pflügten eine Furche in die Nordsee. Wir waren weit und breit das einzige Segelboot. Dieses blieb auch bis zu unserer Ankunft in Cuxhaven so. Auf diesem Stück unter Spi erreichten wir mehrfach kurzfristig um die 12 Knoten Geschwindigkeit durchs Wasser. Den Rekord der gesamten Fahrt verzeichnete ich mit 12,4 Knoten auf einem großen Wellenrücken und guter Trimmarbeit der Crew. Leider ging jedoch nach dem perfekten Segeltag in der Nacht der Wind schließlich so weit zurück und drehte in unser Heck, dass wir für einige Stunden unter Maschine gelaufen sind. In dieser Zeit konnten wir gemütlich essen und das Schiff für die Nacht vorbereiten Als aber der Wind dann wieder kam, ging es weiter unter Segeln Richtung Cuxhaven.. Unsere größte Sorge galt mit aufkommender Dunkelheit dann unbeleuchteten Objekten im Wasser. Diese versuchten wir mit einem immer mit zwei Mann besetzten Ausguck zu identifizieren. Zum Glück kam uns keines zu nahe. Ein Ausweichen wäre bei ca. 10 Meter reichender Sicht trotz der sternenklaren Nacht wohl äußerst schwierig gewesen. Am ersten Tag hatten wir ca. 2 Bootslängen voraus eine Europalette kurz aufblitzen sehen und mir wurde gesagt, dass dieses eines der größten Probleme auf der Nordsee in dieser Jahreszeit sei und eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellte. Aber es sollte bei uns alles gut gehen. Gegen 11 Uhr ging ich ein wenig schlafen, bestand aber darauf, dass ich bei Erreichen der Elbeeinfahrt Bescheid bekomme, da es ab da wieder enger/spannender werden würde. Als wir sie erreichten, stand ich auf, machte mich fertig bis auf meine Taschenlampe. Leider lag die noch in meiner Koje und ich hatte die Tür geschlossen. Na egal, Tür einfach öffnen.... Hmmmm, das geht nicht, probieren... Immer noch nicht. Der Hebel klemmt; nachfragen bei Tom, ob das normal wäre. Er sagt nein. Also versuchte ich es weiter, jedoch ohne Erfolg. Also bin ich schließlich ohne Lampe nach oben, grübelnd, was ich falsch gemacht haben könnte. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass wohl etwas an dem Hebel verstellt oder besser nachgestellt worden war in der letzen Woche, das der Grund sein könnte. Also noch einmal runter, etwas mehr Kraft und Einsatz. Und siehe da, die Tür war wieder auf. Was für ein Glück! Währenddessen näherten wir uns immer weiter Cuxhaven. Auf dem Laptop mit Seekarte wurde es immer knapper und wir wurden mit inzwischen einlaufendem Strom auch immer schneller. Die Sandbänke zu unserer rechten waren jedoch überhaupt nicht zu erkennen, obwohl sie keine 100 Meter von uns entfernt sein mussten. Eine spannende Fahrt, da bis jetzt keiner von uns diese Strecke in diese Richtung gefahren ist.... Geschweige denn bei Nacht und über 9 Knoten über Grund. Kurz vor unserem Ziel entdeckte ich gerade noch einige unbeleuchtete Tonnen auf der Karte, die genau auf unserem Kurs neben dem Fahrwasser lagen, so dass wir schließlich uns dem Hauptfahrwasser bis auf wenige Meter näherten, um wenigstens dem Land nicht zu nahe zu kommen. Die großen Frachter wirkten nicht minder bedrohlich. Jedoch hatten sie wenigstens Beleuchtung und waren so leichter zu sehen und ihre Entfernung abzuschätzen. Gegen sechs Uhr liefen wir schließlich in .Cuxhaven ein. Da wir bereits um 9 Uhr meinen Vater (den neuen Eigner) und meine Mutter erwarteten, sowie ein Auto für die Rückfahrt der ehemaligen Besitzer samt Crew, gingen wir sofort ins Bett. Am nächsten Morgen beseitigten wir erstmal die Reste des Essens und das übrige Chaos im Cockpit und räumten auf. Dann erschienen alle pünktlich und wir machten die feierliche Flaggenübergabe und Umflaggung von holländisch auf deutsch. Dann fuhr ich, nachdem wir alle noch zusammen ausgiebig gefrühstückt hatten (wir hatten immer noch Essen für eine Kompanie an Bord) mit meinem Vater los Richtung Schleuse. Ein wenig Segel ausprobieren und schon waren wir am Schleusen. Ein paar blöde Fragen und Antworten vom Schleusenwärter und weiter ging es. Später waren wir dann im Kanal und los ging es unter Volldampf durch. Es war nicht wirklich spannend. So testeten wir den Autopiloten und die Reaktion und Kurstreue der zukünftigen Eule. Durch eine Tankerhavarie waren wir gezwungen im Giselaukanal einen Zwischenstopp einzulegen. Bis dahin hatten wir immer noch Superwetter. Als wir schließlich mit dem letzten bisschen Tageslicht festgemacht hatten, brach urplötzlich ein Sturm los, der uns gut durchrüttelte. Was für ein Glück, dass uns das nicht auf der Nordsee erwischt hatte. Am Abend schaute noch meine Mutter kurz vorbei. Denn ging es wieder ins Bett. Ich war auch müde genug und hatte noch nicht geduscht. Dieses wollte ich am Morgen in der bordeigenen Dusche dann nachholen und die Duschfunktionen des Schiffes testen. Gegen 8 Uhr war es so weit. Wasser an Lenzpumpe, dusch... Ah warmes Wasser toll! Aber warum läuft das so schlecht ab? Nach kurzer Zeit stand ich im Wasser. Hm, also duschen beendet. Abtrocknen. Anziehen. Und auf zur Fehlersuche. Pumpe? Heil. Luft im Schlauch ? Ahhhhhaaa, es gibt einen Stöpsel am Ablauf, damit wohl kein Wasser ins Schiff kommt oder keine Gerüche oder so.. Na auf jeden Fall, damit das Wasser der Dusche raus kann, muss auch der Stöpsel raus. Gesagt, getan alles funktioniert. Echt perfekt in Schuss das Schiff! Es funktioniert alles. Man muss nur wissen, wie. Gegen Nachmittag mit einem kleinen Segelschlag in der Förde nach Schilksee erreichten wir endlich mit der zukünftigen SY Eule ihren neuen Heimathafen, nach nicht einmal ganzen 72 Stunden. Somit endete hier meine Überführung des blauen Vogels. Es war eine geniale Tour von Wetter, Geschwindigkeit und Mannschaftsgeist. Vielen Dank an alle, die mitgeholfen haben. Ich hoffe, dass wir noch viele solch schöne Touren vor uns haben. Auf die kommende Saison mit der SY Eule, früher eine weiße Omega 36 jetzt eine tiefseeblaue Dehler 39.
Fabian